Über tausend Erzgebirgs-Schwalben „auf einen Blick“!

Wanderer, kommst Du im Frühjahr oder Herbst an den Stadtrand von Oelsnitz/Erzgebirge, dann schaue auch mal nach oben: Durch umsichtiges, kluges Handeln von zwei Frauen und Familien kommt es hier zu einer „Schwalben-Invasion“, die einem besonders bei Ankunft der Brutpaare oder kurz vor dem Wegzug so richtig bewusst wird. Alfred Edmund Brehm – Verfasser seines „Illustrierten Thierlebens“ – nannte unsere beiden häufigsten Schwalbenarten treffend „die innere und die äußere Hausschwalbe“. Weil es sich in beiden Fällen um Langstreckenzieher bis weit hinein ins ferne, nicht ungefährliche Afrika handelt, werden die Gefahren auf dem Zug nicht geringer, kommt unsere NABU-Aktion wohl gerade noch zur rechten Zeit.

Frau C., selbst mit umfangreichen ornithologischen Kenntnissen „gesegnet“, hatte uns über eine sagenhaft große Mehlschwalbenkolonie auf einem ehemaligen Bauerngut bei Frau H., ihrer Bekannten im gleichen Ort, informiert. Was wir am 3. September 2021 bei herrlichstem Spätsommerwetter dort zu sehen bekamen, war fast unwirklich schön: Aus 138(!) Nestern mit Brutpaaren waren inzwischen fast alle Jungen ausgeflogen, manche wurden noch im Nest, im Freien auf Dächern und Leitungen von den Altvögeln gefüttert. Es war ein lautstarkes, in unseren Ohren äußerst angenehm zu hörendes Geschrei! Rechnet man bei 138 BP im Durchschnitt 2 Bruten und drei ausgeflogene Jungschwalben je Brut, so kommt man nach Adam Ries auf mehr als 1.000 Vögel. Zählt man die Rauchschwalben bei Frau C. (7 BP) und Frau H. (12 BP) hinzu, so müssen es kurz vor dem Wegzug an die 1.200 Schwalben gewesen sein, die – bis dahin gut behütet – allein von diesen beiden Orten aus mit guten Fettreserven auf die große Reise gehen können. Zu bewundern sind auch die Mieter im Gebäude von Frau H., die den langen Sommer über die extreme Verschmutzung ihrer Fenster klaglos in Kauf nehmen! Danke, unbekannte Naturfreunde!

Mit großer Sachkenntnis und viel Einfühlungsvermögen hat Frau C. die von Altvögeln schlecht oder gar nicht mehr versorgten Rauchschwalbenjunge durch Fütterung im Nest fast alle retten können! Das darf man sich nicht so leicht vorstellen! Ungeübte sollten von dieser Art „Zufütterung“ besser die Finger lassen. Allein die Beschaffung des richtigen Schwalbenfutters ist nicht ganz einfach.

Vielen Dank an die beiden Frauen und ihre Familien, die mit Fug und Recht ihre Scheunen-Türen mit unserer NABU-Plakette verschönern durften!  

Text und Fotos:  Hans-Jürgen Görner, Chemnitz